Habilitationsprojekt von Dr. Sarah Ross, Bern

Musikalische Zeitlandschaften:

Überlegungen zu einer Musikethnologie der Nachhaltigkeit am Beispiel jüdischer Musik in der Deutschschweiz

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung hat sich in der Schweiz ein jüdisches Musikschaffen herauskristallisiert, dass sich von lokalen (Volks-)Musiktraditionen inspirieren lies und lässt. Mein musikethnologisches Habilitationsprojekt untersucht daher die lokale Verortung jüdischer Musik in der Deutschschweiz und fragt dabei nach den Wechselwirkungen schweizerischer und jüdischer Musik und Kultur, und somit danach, ob es eine prononciert schweizerisch-jüdische Musikkultur gibt. Auf dieser Basis fragt das Projekt weiter nach den kulturpolitischen Implikationen zur Erforschung jüdischer Musik in der Schweiz. Vor dem Hintergrund des Konzeptes der kulturellen Nachhaltigkeit/des „intangible cultural heritage“ geht es der Frage nach, ob und ab wann jüdische Musik auch als Teil der gesamtschweizerischen Kulturlandschaft wahrgenommen und als solche für die Zukunft bewahrt wird.
Auf der Grundlage der bisherigen Feldforschung in der Deutschschweiz und unter Auslandsschweizern/innen in Israel hat sich gezeigt, dass dem Erhalt und Bewahren des schweizerisch-jüdischen Musikerbes ein Bewusstseins- und Sensibilisierungsprozess für die Eigenheiten dieser musikalischen Traditionen vorausgehen muss. Im Sinne der „Applied Ethnomusicology“, bzw. einer „Musikethnologie der Nachhaltigkeit“, wird daher zunächst nach der Rolle der Musikethnologie im Kontext dieses Sensibilisierungsprozesses gefragt. Des Weiteren werden alternative (angewandte) Wissenschaftskonzepte und Strategien erarbeitet, die helfen sollen, das nicht nur das ohnehin schon Bekannte (und damit nicht primär gefährdete) bewahrt wird, sondern auch das Neue, Überraschende und Verborgene (zu Tage) gefördert, der Öffentlichkeit zugänglich und somit für die Zukunft bewahrt wird.

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