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Eine Studie zu Wladimir Vogels zwölftönigem Instrumentalwerk
Abgeschlossenes Dissertationsprojekt von Doris Lanz
Hinsichtlich des Gegenstandes «Historiographie des 20. Jahrhunderts» lässt sich der fachgeschichtliche Standort der Musikwissenschaft seit gut einem Jahrzehnt pauschal als Phase der Korrektur und des Nachholens bezeichnen. Allmählich korrigiert wird ein als zu eng diagnostiziertes, allzu teleologisches Geschichtsbild, das seinen Entwurf wesentlich, wenn auch nicht ausschließlich, jenem eindimensionalen Fortschrittsdenken verdanken dürfte, als dessen treibende Kraft die Denkfigur einer «geschichtlichen Tendenz des Materials» agierte. Sukzessive ans Licht zu stellen gilt es, was innerhalb dieses Geschichtsbildes bestenfalls im Schlagschatten eines für die Kompositionsgeschichte des 20. Jahrhunderts als repräsentativ betrachteten Kanons Platz fand. Für die europäische Nachkriegszeit zählen dazu auffallend oft Komponisten, für die – aus welchen Gründen auch immer – ästhetische und kompositorische Entwicklungen, wie sie insbesondere im Umfeld der Darmstädter Kurse für Neue Musik propagiert wurden, kaum je verbindliche Richtschnur waren.
Zur Kategorie historiographisch vergleichsweise vernachlässigter Komponisten des vergangenen Jahrhunderts muss auch Wladimir Vogel (1896-1984) gezählt werden. Der Umstand, dass er an der im Violinkonzert von 1936/37 erstmals verwendeten Zwölftontechnik als Kompositionsmethode auch dann noch konsequent festhielt, als die Technik in Darmstadt als überlebt galt, legt nahe, dass wenigstens ein Teil der Gründe für seine lediglich marginale Berücksichtigung in der Musikgeschichtsschreibung durchaus in deren Adaptation eines ominösen Fortschrittskonzeptes im oben skizzierten Sinne zu suchen sind.
Die Arbeit verfolgt ein zweifaches Ziel: Einerseits soll dem erwähnten Umstand, der relativen Vernachlässigung Vogels durch das Musikschrifttum, partiell abgeholfen werden, andererseits gilt es, nach Gründen für dieses Faktum zu suchen. Konkret: Mit einer Auswahl an zwölftönigen Instrumentalwerken Vogels soll ein Teil jenes breiten Werkkataloges ans Licht geholt werden, der bislang nur mit zumeist oberflächlichen Kurzanalysen in Publikationen zu Vogel Eingang fand. In exemplarischen Teilstudien geht es darum, möglichst präzisen Einblick in die ästhetischen Standpunkte und die kompositorische Entwicklung Vogels zu gewinnen sowie dessen musikgeschichtlichen Ort zu bestimmen. Gleichzeitig aber ist diese Untersuchung auch Mittel zum Zweck; insofern nämlich, als das Beispiel Vogels herangezogen werden soll, um auf übergeordneter Ebene Thesen zu entwickeln, die zu einem Verständnis musikhistoriographischer Selektionsmechanismen beitragen sollen.
Die Arbeit ist Teil des vom SNF finanzierten und von Prof. Dr. Anselm
Gerhard (Bern) sowie Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen (Zürich)
betreuten Projektes «Komponieren im 20. Jahrhundert abseits
‚avantgardistischer Hauptströme’» (siehe auch www.musik.unizh.ch →
Projekte).
| Kontakt Dr. Doris Lanz |
doris.lanz@unifr.ch |